OT-Kaldldewey

Party mit therapeutischem Charakter

Veröffentlicht in: Kalldewey Farce, Presse | 0

Artikel aus dem Offenburger Tageblatt vom 3. März 2009

Theater im Gewölbe zeigte zum 30-jährigen Bestehen »Kalldewey Farce« /Kollage aus grotesken Szenen

Mit »Kalldewey Farce« verabschiedet sich Regisseur Said Mola vom Theater im Gewölbe. Am Samstag hatte das Ensemble mit dem Theaterstück von Botho Strauß im Salmen Premiere.

Offenburg. Bekanntes oder weniger Bekanntes, aber immer Anspruchsvolles brachte das Theater im Gewölbe (ThiG) in den vergangenen 30 Jahren auf die Bühne. Das hat sich auch 2009 nicht geändert: Mit »Kalldewey Farce« von Botho Strauß startete das Ensemble ins Jubiläumsjahr. »Wechselnde Besetzung, aber immer Männermangel « kennzeichneten das Theater im Gewölbe, resümiert Vorsitzende Silke Mahnke. Doch gerade bei der aktuellen Produktion ist es gelungen, drei Männer zu ergattern. Gordon Jentsch spielte als Kellner nur eine stumme Rolle.

Nicht viel mehr Text entfiel auf Kalldewey: Zunächst war Holger Albrecht als Titelheld in seinem schwarzen, strassbesetzten Hemd nur der schweigende Zuhörer. Die Partygäste, allesamt in Therapie, schütteten ihm ihr Herz aus. Albrecht verstand es, den Geheimnisvollen zu geben. Was er aber dann zu sagen hatte, saß. Er sprengte die Party von Lynns Geburtstag mit seinen Anzüglichkeiten.

Als Dritter im Bunde spielte Andree Steinke die Rolle von Hans, dem Flötisten. Egal, ob er an der Waschmaschine bastelte oder im Anstaltshemdchen auf dem Stuhl saß, lautete seine Maxime: »Lieber etwas dümmer als geistig entwurzelt.« Dazu passte auch sein Ruf nach einer Leitfigur. Zusammen mit Lynn bildete er ein Paar, das weder miteinander noch ohne einander existieren kann.

Hektik und Hysterie

Lynn (Andrea Stamwitz) wollte auf keinen Fall das letzte Wort haben. Sie schwankte zwischen hektischer Suche und leichter Hysterie. Und: Kälter als sie konnte man »Ja, mein Herz« wohl kaum sagen. Während sie sich nach der Zuneigung ihres Mannes sehnte, malte sie zugleich ein Schreckensbild von einem Scheusal und Vergewaltiger. Deshalb holt sie Hilfe ins Haus: Ein Lesbenpärchen, reichlich aggressiv. Das Trio sucht Hans heim und zerstückelt den Armen zwischen seinen Umzugskartons. Kattrin (Barbara Krehl) und Meret (Nicole Jendrossek) liebten und hassten sich. Ihr Spektrum reichte von erotischen Szenen bis zu wüsten verbalen Auseinandersetzungen. Aber auch sie änderten sich: Alsbald zählten sie zu den gezähmten Partygästen.

Und zum guten Schluss landeten sie da, wo sich auch die anderen befanden: in der Psychiatrie. Dort spielte Kattrin noch weiter ihre Machtspielchen. Aus der Rockerin mit der roten Perücke war eine renitente Patientin geworden. Sie wies den Arzt, das Phantom in der wirren Gesellschaft, in seine Schranken, indem sie den Schlüssel versteckte.

»Suchen Sie keinen Zusammenhang zwischen den Szenen «, hatte Silke Mahnke eingangs geraten. Ein guter Tipp, denn als Collage konnte man das Stück annehmen. Ansonsten wäre man über eine Leiche gestolpert, die plötzlich wieder mitspielte.

Aufführungen: Freitag, 6. März, 20 Uhr, Salmen. Samstag, 21. März, Acherner Illenau. Samstag, 4. April, Schlachthof in Lahr

Autorin: Bettina Kühne

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